Einschleifweg Send Return bei Verstärkern

Live Rack- und Pedalboard Systeme

Immer wieder stelle ich fest, dass vielen unserer Kunden nur teilweise oder gar nicht klar ist was genau ein Einschleifweg ist und was die beiden Begriffe SEND und RETURN bei einem Verstärker wirklich bedeuten. Ziel des Beitrags ist es die Funktionsweise eines Effektweges in einem Gitarrenverstärker oder Bassverstärker zu erklären.

Beginnen wir aber bei der Konstruktionsweise eines Verstärkers. Unabhängig davon ob er in Röhrentechnik oder Transistortechnik gebaut ist.

Wie ist ein Gitarrenverstärker aufgebaut?

Ein Verstärker besteht im Grundsatz aus zwei Teilen. Einer Vorstufe (Gain, EQ, Channel Volume) und einer Endstufe (Master Volume, Presence). In der Vorstufe wird das relativ schwache Gitarrensignal auf einen Pegel vorverstärkt damit die Endstufe mit genügend starkem Signal versorgt ist um die volle Leistung (z.B. 60W oder 100W) zu liefern.

Der Sound wird mittels Gain, 3-Band EQ und weiteren Regelmöglichkeiten "geformt" und dem persönlichen Geschmack angepasst. Danach geht das Vorstufensignal in die Endstufe, die eigentlich "nur" für die Leistung bzw. die Lautstärke zuständig ist.

Irgendwann begann man dann mit Effektgeräten herumzuspielen und wollte diese dann auch zusammen mit dem Verstärker kombinieren und die Effekte entsprechend nutzen.

Das Problem dabei ist aber, dass Effekte wie z.B. Chorus, Delay oder Hall die VOR einem Verstärker (also in den INPUT des Verstärkers) geschaltet werden und man den Verstärker im Verzerrten Kanal spielt automatisch gleich auch die Effekte verzerrt werden was in einem sehr unnatürlichen und grausam undefinierten Sound resultiert.

SEND / RETURN

Die Lösung besteht nun darin den Verstärker quasi zu splitten und as Vorstufensignal welches mit Gain, EQ-Einstellungen usw. versehen ist "abzuzapfen", an das Effektgerät zu schicken (SEND), dort mit Chorus, Flanger, Delay, Hall usw. anzureichern und es danach wieder zurück (RETURN) in die Endstufe zu schicken.

Somit ist die Funktionsweise des Einschleifwegs auch erklärt: Das Vorstufensignal wird am SEND abgezweigt und geht im RETURN wieder in den Verstärker zurück. Mysterium gelüftet!

Seriell oder parallel?

In der Verstärkerwelt gibt es zwei Arten von Einschleifwegen: serielle und parallele Einschleifwege. Diese unterscheiden sich im Prinzip nur sehr wenig aber in der Funktionsweise haben beide deutliche Unterschiede, die eine massive Auswirkung auf den Sound haben.

Serieller Einschleifweg

Beim seriellen Einschleifweg liegt das Vorstufensignal am SEND an und geht danach durch das Effektgerät. Danach wandert das Signal zurück in den RETURN des Verstärkers.

Simpel und einfach aber einen Hacken hat die Sache: der Sound des Effektgerätes ist für den Gesamtsound absolut mit entscheidend, denn das gesamte Vorstufensignal get durch das Effektgerät. Unnötig zu erwähnen das bei dieser Variante die AD/DA Wandler eines Multieffektgerätes von absolut wichtiger Bedeutung sind. Schlechte Wandler = mieser und druckloser Sound!

Serieller Einschleifweg bei Verstärkern

Leider ist bei den meisten Herstellern in deren Topteilen und Combos der serielle EFX-Weg Standard da es schaltungstechnisch relativ einfach, mit wenig Aufwand und günstig in der Produktion verbunden ist.

Paralleler Einschleifweg

Nun haben sich aber einige pfiffige Jungs überlegt wie man dieses Problem denn umgehen kann und haben sich die Situation im Tonstudio genau angeschaut. Im Tonstudio werden die Effekte in der Regel nach der Aufnahme beim Mischen zum trockenen Signal dazu gemischt. Und hier liegt auch die Lösung.

Bei einem parallelen Einschleifweg wird das Effektsignal dem trockenen Originalsignal der Vorstufe dazu gemischt (in der Regel mit einem MIX Regler). Das bedeutet, dass das Vorstufensignal unverfälscht und direkt in die Endstufe geht ohne "Umwege" über irgendwelche DA/AD Wandler.

Paralleler Einschleifweg bei Verstärkern

Hierbei spielt die Qualität der Wandler überhaupt keine Rolle mehr, denn das Effektsignal wird ja nur dazu gemischt! Genial? Grundsätzlich ja denn der Gitarrensound bleibt druckvoll und unverfälscht.

Leider hat die Sache einen kleinen Nachteil: Effekte wie Sweller, Tremolo oder Compressor sind dann nur noch begrenzt oder nicht mehr einsetzbar denn diese Effekte haben in einem parallelen Setup keine Wirkung.

Wir im Manis Guitar Shop empfehlen praktisch immer den Einsatz eines parallelen Effektwegeges da die Vorteile klar in der Soundqualität liegen. Es gibt aber auch die Möglichkeit aus einem seriellen einen parallelen Effektwegeg zu machen. Z.B. mit dem Suhr Mini Mix den ich selber, sehr erfolgreich, in einem meiner eigenen Setups benutze.

Über die Funktionsweise der einzelnen Effekte und Begriffe wie True-Bypass oder Treble Booster und warum ich Noisegates hasse in einen nächsten Beitrag den ich demnächst verfassen werde.

Über Anregungen und Kommentare freue ich mich natürlich sehr und hoffe ein bisschen Licht in das Mysterium des SEND / RETURN geworfen zu haben.

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Anm. Kommentare werden vor ihrer Veröffentlichung auf deren Inhalt geprüft

8 Kommentare

MAF

November 03, 2016

super Beitrag !
Bin sehr gespannt auf den nächsten Beitrag “aus einem Seriellen einen parallelen Effektweg machen” vielleicht Kannst Du mir den Tip auch via Mail geben, denke allerdings ich bin nicht der einzige der das brennend interessiert.
Gruss & Dank
MAF

Rainer Guelzow

December 12, 2016

Habe einen jamMan Looper direkt am vox vt20+ Amp im Input eingestöpselt. Hinter dem jamMan habe ich dann einen Reverb, Wah und einen Boss Overdrive. Am Boss Overdrive habe ich die Gitarre angeschlossen. Bei abspielen meiner aufgenommenen Loops von dem jamMan höhre ich nun beim abspielen einer Loop das ganze mit Doris wenn ich den Virus vorher am Vox VT20+ aktiviert habe. Den Corus am Amp möchte ich aber erst nach dem abspielen des Loops für ein Soli nutzen. Was kann ich tun ?

Mani

December 21, 2016

Lieber Rainer

Grundsätzlich sollte deine Signalkette so aussehen:
(Vor dem Input) Gitarre → Wah → BOSS Zerrer
(Im EFX-Weg/Send-Return) Reverb → JamMan

Du musst den Reverb und JamMan in den EFX-Loop deines Amps einschlaufen!
Nur so ist gewährleistet, dass du nach Betätigung des Chorus auch den Chorus auf dem Solosound hast.

LG. Mani

Alex

February 09, 2017

Kann ich vom Send auch in eine aktive Gitarrenbox gehen? Z.b. Hotone nano legacy amp send in tech21 power engine?
Danke für die Antwort!

Stefan

April 26, 2017

Durch Kabelwirrwarr ist mir gestern passiert, dass ich das Signal vom “Send” in den Verstärkereingang geschickt habe. Hat ein schon fast Synthie-haftes Tüüüüüüüt von sich gegeben – nicht zu vergleichen mit nem schönen Feedback, aber auch nicht ganz unähnlich. Hab den Fehler nach 2 Sekunden behoben. Kann dadurch was kaputt gegangen/ in Mitleidenschaft gezogen worden sein?

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